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Nagelpilz behandeln, was wirklich hilft
Nagelpilz ist meist harmlos, und er muss nicht immer behandelt werden. Von allein verschwindet er allerdings selten, und die Behandlung dauert länger, als die meisten erwarten. Wir gehen durch, was tatsächlich wirkt, was eher Werbung ist und wann der Weg in die Hausarztpraxis sinnvoll ist.
Was Nagelpilz ist und warum es dauert
Nagelpilz ist eine Infektion des Nagels, meist ausgelöst durch dieselben Fadenpilze, die auch Fußpilz verursachen. Der Pilz lebt im Keratin, also im Nagelmaterial selbst, und er gedeiht dort, wo es warm, feucht und dunkel ist. Ein Schuh an einem warmen Tag ist dafür fast die ideale Umgebung.
Die Erkrankung ist häufiger, als viele denken. Etwa 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen sind betroffen, mit dem Alter steigt der Anteil auf über 20 Prozent bei Menschen über 60 (Gupta et al., JEADV 2017). Zehennägel sind deutlich öfter betroffen als Fingernägel.
Dass die Behandlung Zeit braucht, liegt an der Biologie, nicht an einem Fehler Ihrerseits. Ein befallener Nagel heilt nicht an Ort und Stelle. Der gesunde Teil muss nachwachsen und den erkrankten ersetzen, und Nägel wachsen langsam. Ein großer Zehennagel braucht oft 12 bis 18 Monate, um sich vollständig zu erneuern. Fortschritt sehen Sie deshalb in Millimetern, nicht in Wochen.
So sieht Nagelpilz meist aus
Typische Zeichen sind ein gelblicher, weißgrauer oder bräunlich gesprenkelter Nagel, der dicker wird und am Rand bröckelt. Manchmal löst er sich teilweise vom Nagelbett. Schmerzen entstehen selten, und das ist einer der Gründe, warum viele Menschen lange warten, bevor sie etwas tun.
Ein Problem dabei: Mehrere andere Dinge sehen genauso aus. Nagelpsoriasis, ein alter Stoß gegen den Zehennagel, wiederholter Druck durch enge Laufschuhe und selbst trockene Onychorrhexis können alle einem Pilz ähneln. Deshalb nimmt die Ärztin oder der Arzt vor einer Tablettenbehandlung eine Nagelprobe. Etwas ohne Pilz mit einem Pilzmittel zu behandeln, hilft nicht, und die Tabletten sind nicht ganz ohne Risiko.
Kurz gesagt: So sieht es meist aus, aber nur eine Probe kann bestätigen, dass wirklich ein Pilz vorliegt.
Behandlung, die tatsächlich wirkt
Welche Behandlung passt, hängt davon ab, wie viele Nägel betroffen sind, welcher Anteil jedes Nagels befallen ist und ob die Nagelwurzel mitbetroffen ist. Je ausgedehnter die Infektion, desto schwächer wirkt das, was nur äußerlich aufgetragen wird.
Medizinischer Nagellack (rezeptfrei)
Bei leichtem Befall, wenn nur die Nagelspitze oder ein kleiner Teil betroffen ist, ist medizinischer Nagellack die erste Wahl. In Deutschland ist etwa Amorolfin rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Man feilt die Oberfläche leicht an, trägt den Lack ein- bis zweimal pro Woche auf und macht weiter, bis der Nagel sauber nachgewachsen ist. Rechnen Sie mit etwa sechs Monaten an einem Fingernagel und bis zu einem Jahr an einem Zehennagel.
Der schwierige Teil ist die Geduld, nicht die Technik. Viele hören auf, sobald der Nagel besser aussieht, während der Pilz ganz hinten noch sitzt. Dann kommt er zurück.
Tabletten auf Rezept
Sind mehrere Nägel befallen oder hat der Pilz die Nagelwurzel erreicht, reicht Lack selten aus. Dann verschreibt die Ärztin oder der Arzt Tabletten, meist Terbinafin. Sie wirken von innen, während der Nagel wächst, und die Behandlung dauert etwa sechs Wochen bei Fingernägeln und zwölf Wochen bei Zehennägeln.
Die Tabletten helfen mehr Menschen als der Lack, aber sie sind aus gutem Grund verschreibungspflichtig. Sie können bei manchen die Leber belasten, und sie vertragen sich nicht mit allen anderen Medikamenten. Deshalb wird vorher eine Nagelprobe genommen, manchmal auch eine Blutuntersuchung. Das ist kein Grund zur Angst, aber der Grund, warum dieser Weg über die Hausarztpraxis läuft und nicht über das Apothekenregal.
Wann Abwarten genügt
Das sagen wenige Seiten offen: Nagelpilz muss nicht zwingend behandelt werden. Laut Gesundheitsinformation.de ist er nicht gefährlich und muss nicht behandelt werden, solange er keine Beschwerden macht. Geht es nur um einen verfärbten Nagel, der nicht schmerzt, ist es völlig vertretbar, ihn in Ruhe zu lassen. Das gilt, solange Sie keinen Diabetes und keine Immunschwäche haben. Die Behandlung ist lang, und ihr Erfolg ist nicht garantiert.
Hausmittel und was nicht belegt ist
Das Internet ist voll von Hausmitteln gegen Nagelpilz. Essig, Teebaumöl, Knoblauch, Vicks VapoRub. Die Wahrheit ist weniger dramatisch als die Überschriften: Die Belege sind dünn. Das IQWiG bewertet in Deutschland Gesundheitsinformationen unabhängig und ohne kommerzielle Interessen. Zu diesen Mitteln schreibt es: „Ob diese und andere Mittel gegen Nagelpilz helfen, ist bislang aber nicht in guten Studien erprobt worden." Das heißt nicht, dass sie wirkungslos sind. Wir wissen es schlicht nicht, und Sie sollten nicht dieselbe Wirkung wie von medizinischem Lack erwarten.
Was tatsächlich hilft, ist einfacher und unspektakulärer. Halten Sie die Füße trocken. Wechseln Sie die Socken, sobald sie feucht werden. Schneiden Sie den befallenen Nagel kurz und feilen Sie das Dicke ab, damit ein Lack tiefer wirken kann. Nutzen Sie eine eigene Schere für den erkrankten Nagel, damit der Pilz nicht auf die gesunden übergeht.
So senken Sie das Rückfallrisiko
Nagelpilz kehrt gern zurück, besonders wenn der oft zugrunde liegende Fußpilz nie behandelt wurde. Einige Gewohnheiten lohnen die Mühe:
- Behandeln Sie Fußpilz zwischen den Zehen gleichzeitig mit, sonst steckt er den Nagel erneut an.
- Tragen Sie Badeschuhe in Gemeinschaftsduschen, Umkleiden und am Pool.
- Lassen Sie Schuhe zwischen dem Tragen gründlich trocknen, am besten einen Tag lang.
- Teilen Sie Nagelfeile, Schere und Handtuch nicht mit anderen im Haushalt.
Keine dieser Gewohnheiten wirkt für sich allein Wunder. Zusammen senken sie das Risiko spürbar, und sie kosten nichts.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Für die meisten gesunden Erwachsenen ist Nagelpilz eine ruhige Sache, die sich über die Apotheke regeln lässt. Es gibt aber Situationen, in denen jemand darauf schauen sollte:
- Wenden Sie sich an die Hausarztpraxis, wenn mehrere Nägel befallen sind oder rezeptfreier Lack nach ein paar Monaten nicht geholfen hat.
- Holen Sie früher ärztlichen Rat ein, wenn Sie Diabetes, eine Immunschwäche oder eine schlechte Durchblutung der Füße haben. Dann können schon kleine Fußprobleme ernster werden.
- Melden Sie sich in der Hausarztpraxis, wenn der Nagel schmerzt, die Haut ringsum rot und geschwollen wird oder sich Eiter bildet.
Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116117 weiter. Die 112 ist echten Notfällen mit Lebensgefahr vorbehalten. Bei Diabetes gibt es zudem oft eine Fußsprechstunde, die an Ihre Versorgung angebunden ist. Das ist der richtige Weg, besser als langes Experimentieren auf eigene Faust.
Häufige Fragen
Ist Nagelpilz gefährlich?
Für gesunde Menschen fast nie. Es ist eine oberflächliche Infektion des Nagels, die selten schmerzt und sich nicht in den Körper ausbreitet. Die Ausnahme sind Menschen mit Diabetes oder Immunschwäche, bei denen schon eine kleine Infektion am Fuß ernst genommen werden sollte.
Ist Nagelpilz ansteckend?
Ja, aber nicht leicht. Er überträgt sich über feuchte Böden, geteilte Handtücher und Schuhe, meist vom eigenen Fußpilz auf den Nagel. Mit Badeschuhen in der Dusche und eigenem Hygienezubehör halten Sie das Ansteckungsrisiko gering.
Kann Nagelpilz von allein verschwinden?
Selten. Anders als Fußpilz, der manchmal schon mit guter Hygiene ausheilt, sitzt der Nagelpilz geschützt im Nagel. Er bleibt meist, bis der gesunde Nagel nachgewachsen ist, mit oder ohne Behandlung.
Wie lange dauert die Behandlung?
Länger, als Ihnen lieb ist. Lack wird benutzt, bis der Nagel sauber nachgewachsen ist, was sechs Monate bis ein Jahr dauert. Tabletten nimmt man sechs bis zwölf Wochen, doch der Nagel sieht noch eine Weile danach krank aus, weil der bereits geschädigte Teil erst herauswachsen muss.
Helfen Teebaumöl oder Essig?
Es gibt keine gute Forschung, die zeigt, dass sie Nagelpilz beseitigen. Sie schaden selten, ersetzen aber weder medizinischen Lack noch Tabletten. Wenn Sie es versuchen möchten, tun Sie es als Ergänzung, nicht als einzige Behandlung.
Quellen und weiterführende Informationen
Hier finden Sie mehr zum Thema Nägel. Wir haben einen Überblick zu brüchigen Fingernägeln und was wirklich hilft und einen zu weißen Flecken auf den Fingernägeln.
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG) – Nagelpilz
- Gupta AK, et al. Onychomycosis: a review. JEADV, 2017.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Im Zweifel lassen Sie den Nagel ärztlich anschauen.
Quellen
- 01Gupta AK, Stec N, Summerbell RC, et al. Onychomycosis: a review. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (JEADV), 2017.
- 02Yaemsiri S, Hu N, Finkielstein D, Bhupathiraju SN. Growth rate of human fingernails and toenails in healthy American young adults. JEADV, 2010.
- 03Gesundheitsinformation.de / IQWiG. Nagelpilz. 2023.
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